Wie viel Bio steckt in meinem Produkt?

Bio ist nicht gleich Bio: Zahlreiche Siegel kennzeichnen die verschiedenen Standards, denen ein Produkt entsprechen muss. Das kann mitunter ganz schön überfordernd sein. Für alle, denen es ähnlich geht, haben wir uns vier der bekanntesten Siegel angeschaut und versucht, sie für euch einzuordnen.  
 
 
1. DAS EU-SIEGEL   
 
Seit Juli 2020 müssen alle in der EU-produzierten, verpackten Öko-Lebensmittel dieses Siegel tragen. Es bedeutet, dass das entsprechende Lebensmittel den europäischen Mindeststandart erfüllt. Alle anderen Siegel erfüllen also automatisch auch die Anforderungen dieses Siegels.  
 
Konkret bedeutet das, dass bei einem entsprechenden Produkt auf folgende Dinge geachtet wurde:   
 
• Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel  
• Keine Gentechnik  
• Je Hektar dürfen 15 Mastschweine, 580 Masthühner oder 2 Milchkühe gehalten
  werden.  
 
• Tierfutter muss biologisch sein, Verbot von präventiver Antibiotika- oder
  Hormongabe 
 
• Nur 53 bestimmte Zusatzstoffe sind zur Weiterverarbeitung zugelassen   
 
Bei zusammengesetzten Lebensmitteln darf sich ein Produkt dann mit dem Siegel schmücken, wenn 95% der landwirtschaftlich produzierten Zutaten aus ökologischem Anbau stammen.   
 
Hersteller*innen, die dieses Siegel tragen, werden mindestens einmal jährlich kontrolliert. Diese Kontrolle lässt sich über einen Code auf der Verpackung zurückverfolgen.   
 
Wir finden: Produkte, die dieses Siegel tragen, sind schonmal besser als welche, die ganz ohne Siegel auskommen. Es geht jedoch definitiv noch mehr. 

2. NATURLAND-SIEGEL 

Das Naturland-Siegel zertifiziert weltweit in 58 Ländern Betriebe. Der Fokus des Verbands liegt neben dem ökologischen auch auf dem sozialen und fairen Wirtschaften weltweit. Produkte können zusätzlich die Zertifizierung “Naturland Fair” erhalten.  

Die zusätzlichen Anforderungen für das Bio-Siegel sind:   

• Gesamtbetriebumstellung auf Bio  
• Beschränkung der Düngemenge  
• Weidegang für Milchkühe  
• ständiger Auslauf für Legehennen  
• Tiertransport von maximal 8 Stunden zugelassen  
• Mindestens 50% des Tierfutters müssen vom eigenen Betrieb stammen  
• 22 Zusatzstoffe zugelassen   
• Beschränkung der zugelassenen Anzahl an Tieren pro Hektar  

2013 war Naturland in einen Skandal verwickelt, als die NGOs Animals Right Watch und Peta die fragwürdigen Umstände der Geflügelhaltung bei der Firma Wiesengold aufdeckte. Diese hatte ein Naturland-Siegel und war von dieser regelmäßig kontrolliert worden. Die Firma löste sich in der Folge auf.  

Wir finden: Ein Siegel, das für solide Anforderungen und Transparenz steht und zusätzlich soziale Aspekte mit einbezieht. Wer die Auswahl zwischen Naturland und dem EU-Siegel hat, sollte mit Ersterem gehen.  

 
4. DAS BIOLAND-SIEGEL   
 
Mit über 7.000 Betrieben und 1.100 Partnern in Herstellung Handel ist BIOLAND nach eigenen Angaben Deutschland marktführender Bio-Anbauverband.   

Neben den EU-Kriterien, stehen BIOLAND-Produkte für:  
 
• Kreislaufwirtschaft, für den Erhalt der Böden   
• Ständiger Auslauf für Legehennen  
• Nur 22 Zusatzstoffe zugelassen  
• Tierfutter muss zu 100% Bio und zu 50% aus dem eigenen Betrieb stammen  
• Weniger Tiere pro Hektar zugelassen   
• Tiertransporte für maximal 4h und 200km erlaubt  
 
Das Siegel steht für hohe ökologische Standards und ein umfangreiches Qualitätssicherungssystem. Bioland liegt weit vorn, wenn es um artgerechte Tierhaltung geht und sollte dem EU-Bio-Siegel vorgezogen werden.  
 
4. DEMETER-SIEGEL   
 
Demeter ist der älteste und auch strengste Anbauverband Deutschlands. Seit 1924 arbeiten Bauer*innen hier nach dem Prinzip der biologisch-dynamischen Landwirtschaft nach Rudolf Steiner. Bei demeter wird der Betrieb als eigener Organismus verstanden, der materiellen und auch immateriellen Einflüssen, wie den kosmischen Wirkungen von Mond und Planeten ausgesetzt ist. Auch Kosmetika oder Reinigungsprodukte können das demeter-Siegel tragen. 
 

Folgende Kriterien fordert demeter:   

• 100% des Tierfutters muss Bio sein, zwei Drittel davon müssendemetersein (bei
   Wiederkäufern müssen es 80% sein), mindestens 50% des Futters muss vom
   eigenen Hof stammen 
 
• Gesamtbetriebumstellung: Bevor Lebensmittel mit Ökokennzeichnung versehen
  werden, muss jeder Betrieb eine Umstellungszeit durchlaufen. Bei demeter muss
  diese sich auf den gesamten Betrieb beziehen.  
 
• Kühe dürfen nicht enthornt werden   
• Einsatz biologisch-dynamischer Präparate aus Kräutern, Mineralien und Kuhmist  
• Deutlich weniger Zusatzstoffe erlaubt (keine genaue Angabe)  

Das Label steht außerdem für die Verwendung eigener Sorten und Züchtungsarbeit. Bei Getreide dürfen nur samenfeste Sorten verwendet werden, sowie keine Sorten aus Zellfusionstechnik oder Hybridsorteno-Verordnung.  
 
Demeter vergibt Siegel mit einem hohen Standard und sollte dem EU-Siegel vorgezogen werden. Die Anforderungen stehen für einen ganzheitlichen Ansatz und einen besonders schonenden Umgang mit Tier und Natur und sind daher etwas strenger, als Bioland- oder Naturland-Produkte.  

 

 

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