Festivalsommer, but make it nachhaltig

Sommer ist Festivalzeit. Und tatsächlich sieht es so aus, als könnten wir in diesem Jahr endlich mal wieder das Tanzbein schwingen. Doch natürlich haben wir uns auch hier die Nachhaltigkeitsbrille aufgesetzt und schnell gemerkt: Da geht noch was.  

Denn die Ökobilanz von Festivals ist erschreckend hoch. Geschätzte 3.800 Tonnen CO2 wurden bei dem dänischen Roskilde-Festival 2019 produziert – und dieses gilt schon als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Auf eine*n Festivalbesucher*in kommen im Schnitt 15 Kilo Müll. 30% der Besucher*innen in Deutschland lassen ihre Zelte einfach auf dem Gelände zurück. In Großbritannien sind es sogar im Schnitt 80%.  
 
Festivals gleichen oft einer kleinen Stadt. Es braucht eine ganz eigene Infrastruktur. Wasser, Abwasser, Verpflegung, Musiktechnik und Lichtshow, all das frisst eine Menge Energie.   
Wo fangen wir also an, wenn wir unseren Festivalbesuch nachhaltiger gestalten möchten? 
 
AN- UND ABREISE  
 
Die Hälfte der Emissionen geht fast immer für die An- und Abfahrt drauf. Hier lohnt es sich also anzusetzen. Klar ist es etwas unkomplizierter mit dem Auto anzureisen. Dieser Weg sorgt jedoch dafür, dass Festivals so richtig Umweltsünde zur werden. Fahrt stattdessen lieber mit dem Zug oder Fahrrad los. Die euphorische Stimmung in den vollbepackten Wagons auf dem Hin- und Rückweg ist einmalig und lohnt sich!  

AUSRÜSTUNG 
 
Kaum zu glauben aber wahr: Ein Drittel aller Besucher*innen lassen ihre Zelte einfach auf dem Gelände zurück. Oft handelt es sich dabei um Billigprodukte, die nicht weiterverwendet werden können. So können die Zelte nicht einmal mehr an Hilfsorganisationen gegeben werden und landen direkt auf dem Müll. Es lohnt sich hier also, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen und in qualitative Ausstattung zu investieren.  
 
Wem das zu teuer ist, oder für wen sich das nicht lohnt, der*die kann sich die Ausrüstung ganz einfach im Bekanntenkreis borgen. Zelt, Schlafsack und Isomatte sind sich schnell zusammengesammelt und können anschießend einfach wieder abgegeben werden. Warum sollte sich jede*r ein eigenes komplettes Equipment zulegen, wenn man doch einfach teilen kann?  

ERNÄHRUNG 
 
Vegane Ernährung lohnt sich auf Festivals vielfach: Sie ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch gesünder und gibt gleich die notwendige Energie mit auf den Weg. Das Allerbeste: Die meisten pflanzlichen Aufstriche müssen nicht gekühlt werden und halten so deutlich länger. 
 
Überlegt außerdem vorher, wie viel ihr wirklich essen wollt und kauft entsprechend ein. Im Idealfall muss nicht hinzugekauft und nicht zurückgelassen werden.  
 
KOSMETIK 
 
Auch wenn ein Festival bedeutet, sich drei Tage mal so richtig gehen zu lassen, entsteht zwischendurch doch mal das Bedürfnis, sich zu erfrischen. Hier lauert ebenfalls eine große Falle: Häufig wird bei der Festival-Kosmetik auf die Probier- und Reisegrößen aus der Drogerie zurückgegriffen. Bei diesen kommt auf sehr wenig Inhalt, sehr viel Plastik. Die Alternative: Verpackungsfreie Seife und Haarseife benutzen.  
 
Die wenigsten Festivals haben außerdem ein richtiges Abwassersystem. Wer die Duschen vor Ort nutzt, spült also schnell mal sein Duschgeld oder Shampoo ins Grundwasser. Hier kann eine Naturseife Abhilfe verschaffen. Sie kann unbesorgt verwendet werden und schadet den Böden nicht.  
 
LICHT 
 
Man kennt´s: Mitten in der Nacht, auf dem Floor fällt einem plötzlich auf, dass es etwas frisch geworden ist. Also schnell zurück ins Zelt und den Pulli geholt. Doch auf dem Zeltplatz ist es stockdüster. Für diese Fälle nimmt man auf ein Festival stets eine Taschenlampe mit. Die klassischen Lampen werden jedoch von Batterien betrieben, die leider gar nicht umweltfreundlich sind. Ihre Herstellung bedarf fast 500 mal so viel Energie, wie sie am Ende wieder abgeben.  
Stattdessen gibt es mittlerweile auch solarbetriebene Taschenlampen. Einfach tagsüber in die Sonne legen und nachts direkt den Pulli finden.  
 
GESCHIRR 
 
Auch wenn es den Rucksack noch ein bisschen schwerer macht: Verzichte auf Einweggeschirr aus Pappe oder Plastik und bring dein eigenes Geschirr mit. Es gibt mittlerweile sehr leichte Alternativen aus Edelstahl. Dieses kannst du auch mit an die Stände vor Ort nehmen und dir das Essen darauf servieren lassen.  
 
Wir sehen: Schon mit ein paar Kniffs und Tricks, lassen sich Festivals deutlich nachhaltiger gestalten. Die große Verantwortung liegt am Ende jedoch bei den Veranstalter*innen selbst.  
Du kannst vorher bei der Wahl deines Festivals darauf achten, wer es mit dem Umweltschutz wirklich ernst meint. Gute Indizien sind es zum Beispiel, wenn ein Festival Eco-Toiletten statt Dixies aufbaut. Oder mit Pfandsystemen arbeitet. Oder einen Müllpfand auf den Ticketpreis erhebt. Oder bei den Essenständen auf fleischfreie, regionale und biologische Angebote achten. Oder passende Workshops anbietet. Oder einen CO2-Ausgleich pro Artist zahlen. Oder, oder, oder. Es gibt eine Menge Optionen. Beispiele für achtsame Festivals in Deutschland sind unter Anderem das Fusion Festival oder das Wilde Möhre Festival. Lasst uns gemeinsam versuchen, unsere Festivalbesuche klimaschonender zu gestalten.  
 
Habt ihr schon mit bestimmten Festivals gute Erfahrungen in Sachen Nachhaltigkeit gemacht? Lasst es uns wissen.  
 

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